Fünf Fragen an Roland Hipp

Roland Hipp, Mitbegründer und ehemaliger Vorstand von Greenpeace Energy
Greenpeace Energy ist bislang der einzige bundesweite Anbieter auf dem Strommarkt, der genossenschaftlich organisiert ist. Was gab den Ausschlag für diese Organisationsform? Das Grundprinzip war, Ökologie und Ökonomie miteinander in Einklang zu bringen. Das Unternehmen als Genossenschaft zu organisieren, war quasi das Sahnehäubchen obendrauf: Denn die Stromkunden sind gleichzeitig Eigentümer. Ganz wichtig war auch die Möglichkeit, Eigenkapital ohne Bankkredite und ohne Fremdfinanzierung aufbauen zu können absolut unabhängig. Heute trägt sich die Belieferung vollständig, und das bei stabilen Preisen. Nun investiert die Genossenschaft und verstärkt in die Planung und den Bau neuer Anlagen.
Genossenschaften gelten als etwas altbacken. Passen sie überhaupt noch in unsere Zeit? Die Frage ist doch, wie eine Genossenschaft geführt wird und was sie macht. Greenpeace Energy hat zum Beispiel eine einzigartige Neubauregelung und das weitestgehende Monitoring in ganz Europa, d. h. dass die Einhaltung der Kriterien besonders streng überprüft wird. Da zeigt sich, wie modern eine Genossenschaft sein kann. Und der Grundgedanke, gemeinsam etwas zu machen, kann gar nicht veralten! Als Greenpeace Energy 1999 mit unserem Konzept an die Öffentlichkeit gingen, hieß es: Wer Genossenschaftsmitglied werden will, muss Stromkunde sein. Aber dann wollten ganze Familien Anteile zeichnen Eltern, Kinder, Oma, obwohl sie zusammen nur einen Stromzähler hatten. Daraufhin musste die Satzung noch einmal geändert werden. Nach nur fünf Wochen war der Betrieb von Greenpeace Energy gesichert. Beim Start am 1. Januar 2000 hatten Greenpeace Energy schon etwa 2.500 Mitglieder.
Was reizt so viele Menschen, der Genossenschaft beizutreten? Erstens: Als Eigentümer können die Genossenschaftsmitglieder die Firmenpolitik aktiv mitbestimmen. Die Mitglieder sind unglaublich engagiert, es gibt sehr viele Rückfragen, und die Diskussionen in der Vertreterversammlung bewegen sich auf hohem Niveau. Das ist ein Gremium, das die Genossenschaft enorm unterstützt und motiviert.
Zweitens: Bei konventionellen Stromversorgern schließen sich die Interessen der Kunden und der Eigentümer gegenseitig aus. Die Aktionäre wollen möglichst hohe Renditen, die die Kunden mit immer weiter steigenden Strompreisen bezahlen müssen. Bei Greenpeace Energy ist das anders: Die Kunden sind als Genossenschaftsmitglied auch gleichzeitig Miteigentümer ihres Stromversorgers und können so selbst dafür sorgen, dass sie dauerhaft zu fairen Preisen versorgt werden.
Drittens: Greenpeace Energy hat weder Atom- noch Kohlestrom in seinem Mix. Viele Menschen haben lange darauf gewartet, aus diesen Energien auszusteigen. Vor der Liberalisierung war das ja nicht möglich.
Betriebswirtschaftlich steht Greenpeace Energy solide da. Profitieren die Mitglieder davon? Sobald die Anfangsverluste abgebaut sind und Überschüsse erzielt werden, hat die Genossenschaft die Möglichkeit, eine steuerfreie Ausschüttung vorzunehmen. Immerhin haben wir schon nach drei Betriebsjahren mit einer „schwarzen Null“ abgeschlossen. Unsere Priorität ist allerdings ein stabiler Strompreis. Vom Start des Angebots im Januar 2000 bis zum Jahr 2007 hat die Genossenschaft ihren Preis gerade einmal um 12,5 Prozent angehoben. Im Durchschnitt ist der Strompreis der anderen Anbieter in diesem Zeitraum um mehr als 30 Prozent gestiegen.
Wie sieht Greenpeace Energy im Jahr 2010 aus? Das Konzept von Greenpeace Energy sieht ja vor, dass mit dem Bezug unseres Stroms auch der Neubau sauberer Anlagen gefördert wird. In der Praxis sieht das so aus, dass Planet energy, die Tochtergesellschaft von Greenpeace Energy, eine wachsende Zahl solcher Kraftwerke selbst plant und baut. In wenigen Jahren wird daher ein Großteil unserer Stromversorgung aus eigenen Anlagen stammen.
Auch die Zahl unserer Kunden und Mitglieder wird weiter wachsen. Ein großer Teil der neuen Kunden wird dabei durch bisherige Kunden empfohlen. Da sind wir weiterhin auf die Mithilfe aller Mitglieder angewiesen.